Der Name Leingang

Der Name Leingang
Zum Inhalt springen
  • Der Name Leingang
    • 2020-Flachs und Leinen ??
    • 2020-Neue Fakten: Seit 1465 – Die Ersten Leingangs in der Südpfalz !!
    • Juni 2020: Leinpfad-Leinreiter-Leingang ??
    • Das Treideln
    • Schweizer Ahnen ??
    • 2023 – Auswanderung
    • Leingang-Story
    • Kontakt/Impressum
  • Stefan Leingangs Galerie
    • Mein Youtube-Kanal
    • Videoclips: Rülzheim und seine Umgebung
    • Bunter Garten
    • Grünes Rülzheim

Auswanderung


Auswanderung

Vielleicht werden Sie sich fragen, was Entstehung und Bedeutung des Namens Leingang mit dem Auswandern zu tun hat. Auf den Ersten Blick nicht viel, aber die Verbreitung des Namens legt den Schluss nahe, dass  sich  Leingangs in der Vergangenheit aus ihrem Stammgebiet auf den Weg in die Welt gemacht haben. Diese Seite soll – ohne auf Anspruch auf Vollständigkeit oder tiefere Details  –  einen  kurzen Überblick besonders über die Auswanderungswelle nach Russland geben.


katharina_die_gro__e

Der Name Leingang stammt zwar mit großer Wahrscheinlichkeit aus dem deutschsprachigen Raum, ist aber nicht nur in Deutschland, sondern viel häufiger noch in den USA zu finden.Dies rührt daher, daß besonders im 18. und 19. Jahrhundert Leingangs aus Deutschland, speziell hier aus der Südpfalz ausgewandert sind. Meistens war das Ziel die Süd-Ukrainische Region um die Krim, manche wählten aber auch den direkten Weg nach Amerika.

Bild oben: Katharina II, Russische Herrscherin, 1729 bis 1796, warb um Deutsche Bauern und Handwerker, (Quelle: Wikipedia)
Bild unten: Aufruf der Zarin Katharia II, mit dem sie Bauern und Handwerker für die Besiedelung der Krim aufrief.
Quelle
: www.russlanddeutsche geschichte.de

einladungsmanifest

Der Grund für die Auswanderung war wohl weniger Abenteuerlust, sondern vielmehr wirtschaftliche Notlagen und Perspektivlosigkeit hier in der Heimat. Außerdem hat besonders die Russische Herrscherin Katharina II gezielt nach Bauern und Handwerkern zur Besiedlung der Krim und der Ukraine geworben und dafür eine Reihe von Vergünstigungen gewährt.
Diese wurden dann aber nach und nach wieder rückgängig gemacht, sodaß sehr viele Familien aus Rußland wieder abwanderten, teils in ihre alte Heimat, die meisten aber direkt nach Amerika. So kamen sehr viele Leingang – Familien in die USA, deren Wurzeln hier in der Südpfalz liegen.

Auf dieser Seite finden Sie einige Informationen, Fakten und Namen zu diesem Thema, ohne den Anspruch auf Vollständigkeit, weil dies den Rahmen und das Thema der Gesamtseite sprengen würde. Vielen Dank auch den Personen, die durch ihre Zustimmung die Veröffentlichung der Daten und Publikationen ermöglicht haben.


Der Pfälzer Journalist und Autor Helmut Seebach hat in seinem Buch : Zur Geschichte der Südpfalz, Band 3, Nachtragsband, (zu bestellen über den Buchhandel oder beim Bachstelz – Verlag, Waldstrasse 6, 55124 Mainz, näheres am Ende des Textes ) anschaulich und interessant geschildert, wie es den damaligen Russland – Aussiedlern ergangen ist.  Mit seiner freundlichen Genehmigung habe ich hier Abbildungen und den folgenden Auszug   aus seinem  Buch eingefügt:


VON HELMUT SEEBACH
Das russische Auswanderungsfieber grassierte in der Südpfalz im Jahr 1809 wie eine Epidemie. Für einen heutigen Südpfälzer ist kaum nachvollziehbar, dass jemand Haus, Dorf und Heimat für immer verlässt und auf eine bessere Zukunft vertraut, ohne zu wissen, was ihn am fremden Ort erwartet. Auswanderung – und dann auch noch nach Russland!
Im Frühjahr jenes Jahres meldeten die Lokalbeamten eine ungewöhnlich große Zahl von An- und Verkäufen von Mobilien und Immobilien. Bald danach häuften sich die Meldungen über heimliche Auswanderungen. Dem Bürgermeister von Offenbach,  der ausreisewilligen Bürgern die Reisepässe abnehmen wollte, wurde gedroht. ihm das Haus anzuzünden. Dominik Geiger scheint sich nicht heimlich oder mit einer vorgeblichen  Wallfahrt aus Kuhardt verdrückt zu haben. Denn in einer Auswanderungsliste für den Kanton Germersheim ist er aufgeführt:
„Geiger, Dominique, 23 Jahre, Tagelöhner.mit seiner Frau“. Er ist der jüngste Verheiratete unter den insgesamt 34 Personen aus Kuhardt.Aus der ganzen Vorderpfalz kommen Auswanderer, die nach Russland wollen: Bellheim (13 Personen),Germersheim (3), Hördt (42), Knittelsheim (47), Lingenfeld (37), Neupotz (4), Niederlustadt (15),0berlustadt (19), Ottersheim (102), Schwegenheim (1), Sondernheim (17), Weingarten (7). Zeiskam (21).
ln den ersten Maitagen des Jahres 1809 muss in den Rheindörfern Neupotz,  Leimersheim und Kuhardt  Aufruhr geherrscht haben. Dutzende von Bauernwagen wurden gepackt für den Treck nach Russland. 105 Leimersheimer bestiegen am 9. Mai die mit Planen überzogenen Leiterwagen.
Sechs Säuglinge wurden zu ihren Müttern hoch gereicht. Frischvermählte waren darunter: Der 21jährige  Johannes Schardt hatte tags zuvor die erst 13jährige Anna Elisabeth Hammer geheiratet. Somit konnten sie Landbesitzer von 60 Deßjatinen Land (45,4 Hektar) in der russischen Steppe werden.
Tags darauf, am 10. Mai, meldete der Leimersheimer Bürgermeister Hans-Michael Kuhn, dass ein Dutzend Familien  heimlich das Dorf in Richtung Osten verlassen habe, obwohl vor Tagen öffentlich mit der Ortsschelle bekannt gegeben worden war, dass es verboten ist, ohne Erlaubnis des Präfekten auszuwandern.“ Gewöhnlich wurde mit einem Wagen  eine Familie von vier bis fünf Personen befördert.
Aber es gab auch Familien, die mit acht oder neun  Kindern auf einem Wagen saßen.
Die Tatsache, dass damit die Familien mit samt ihrem Reisegepäck, dem Proviant und der notwendigen Ausrüstung  auf einer Strecke von rund 3000 Kilometer zu transportieren waren, macht klar, dass es große und schwere Wagen waren, wie sie einst von den Dorfhandwerkern gebaut wurden. Manchmal organisierten sich 15 bis 20 Familien zu einem gemeinsamen Wagenzug.
Sie reisten auf dem Landweg über Böhmen, Mähren, Schlesien bis zur russischen Grenzstadt Radziwillów. Wegen schlechter Straßen dauerte damals die Überlandreise fast drei Monate.
Die Kolonisten kamen im Sommer 1809 in drei Gruppen von der Grenzstadt Radziwillów nach Odessa. Die erste Gruppe, die für das Beresaner Tal bestimmt war, fuhr rechts weiter nach Süden, die anderen fuhren links zu einem Nebenfluss des Bug, wo sie dann die Kolonien Rastatt und München gründeten. 86 Kilometer nordöstlich von Odessa und etwa 46 Kilometer nordwestlich der Stadt Nikolajew, mitten in der südrussischen Steppe, machte der Treck plötzlich Halt.
Nun kam es zu einer Szene, wie sie in Western vorkommt, in denen es um die Besiedlung der amerikanischen Steppe geht.
Auch dem frisch vermählten 22jährigen Dominik Geiger und seiner Ehefrau Elisabeth wird das Geschehen im Gedächtnis geblieben sein: An der Stelle der noch zu gründenden Kolonie Speyer, dort, wo die spätere Hauptstraße angelegt werden sollte, südlich der Kirche, wo dann die Häuser von Kasper Wanner und Mathias Dietrich stehen würden, sagte der Oberschulze Franz Brittner zu den Auswanderern:
„Das ist eure neue Heimat. Ladet eure Sachen und Gepäck ab!“
Die Kolonisten fragten: „Wie kann diese öde Wildnis unsere neue Heimat werden?“
Die Schwarzerde war eine Herausforderung, der Boden war viel härter als erwartet.
Wie leicht war dagegen das Pflügen in dem sandigen Boden ihrer alten Heimat am Ufer des Rheins gewesen!

bauernhof in Strassburg
Bauernhof im Ukrainischen Strassburg. Aus dem Buch von Herrn Seebach

Jede Familie bekam Hofplätze zugeteilt. Es wurden Erdlöcher ausgehoben und mit Schilfrohr und Grasnarben bedeckt. Diese Erdhäuser dienten im ersten Winter als Wohnungen. Darin war es kalt und feucht. Man musste mit getrocknetem  Kuhmist heizen, denn auf 30 Meilen im Umkreis wuchs kein Holz.Von den Leiden und Mühsalen der Auswanderer nach  Südrussland wusste man in der Pfalz noch nach mehreren Jahrzehnten zu erzählen.

seebach-auswand-bild

Eine volkstümliche Redewendung in der Südpfalz geht darauf zurück:
„Der eine kommt ins Pfefferland, der andere in die Krim “
Mit dieser Drohung wurden in der Gegend von Landau streitende Kinder zur Ruhe gebracht.
Die Kolonie Speyer wurde in den Jahren 1809/1810 gegründet. Speyer bekam seinen Namen auf Vorschlag des Kolonisten Johannes Schanz, der aus Lingenfeld stammte.

Bild oben: Das letzte “ Kronshäuschen“, schilfgedeckt und mit den typischen gekreuzten Pferdeköpfen am First verziert, war 1911 etwa 100 Jahre alt und stand in der Kolonie Speyer. Grafik aus dem Buch von Helmut Seebach

Am 1. Januar 1811 lebten in der Kolonie Speyer 102 Familien: 212 Männer und 236 Frauen, zusammen 448 Seelen, überwiegend katholischer Konfession.Von den 102 Gründungsfamilien stammten 64 aus der Südpfalz, 27 aus dem Elsass und elf aus Baden. Das zaristische Kolonisations – Unternehmen in der südrussischen Steppe war nicht von Anfang an erfolgreich.
Es galt auch hier das Sprichwort:
Der ersten Generation der Tod, der zweiten Generation die Not, der dritten Generation das Brot!

seebach-auswand-karte
Quelle: Buchvorstellung in der Rheinpfalz

Obwohl Südrussland zu den fruchtbarsten  Gegenden Europas zählte. Die Schwarzerde enthielt viel Stickstoff, so dass man eine hohe Ernte ohne Düngemittel erzielte.Die Bauern pflanzten Weizen, Roggen, Gerste,  Hafer, Mais, Sonnenblumen, Kartoffeln, Wein und Melonen mit Erfolg an. Sie wandten das ihnen vertraute Dreifeldersystem an, bei dem Winterweizen, Sommerkulturen und Hackfrüchte mit Schwarz-oder Grünbrache abwechselten.

Ihr Fleiß und ihr Können ließ einen Garten Eden in der südrussischen Steppe entstehen.
Die Landwirtschaft entwickelte sich auf breiter  Basis, und der Wohlstand der Speyerer Bauern nahm zu. Handwerk, Handel und Gewerbe florierten ebenfalls.
Waren es in Leimersheim aufgrund der Realteilung nur zwei bis drei Hektar Land, das ein Bauer im Durchschnitt sein Eigen nennen konnte, so war er in Südrussland in jeder Hinsicht ein Großbauer. Es gab sehr reiche Bauern in Speyer, die 150 bis 500 Hektar gekauftes Land bewirtschafteten. Die pfälzisch-elsässisch-badischen Kolonistendörfer in  Südrussland sind keine „potemkinsche Dörfer“, die schriftlichen und mündlichen Quellen liefern glaubwürdige Berichte darüber, dass sie bis 1914 zu den reichsten und am  besten organisierten Siedlungen nicht nur in der Ukraine, sondern in ganz Russland zählten. Die Namen der anderen ehemaligen deutschen Siedlungen im so genannten Kutschurganer und im Beresaner Gebiet erinnern ebenfalls an die alte Heimat. Sie trugen Namen wie Heidelberg, Worms, Mannheim, Rastatt, Karlsruhe, Baden, Durlach, Sulz, Selz, Straßburg, Elsass, Neuburg, Rohrbach, Kandel, Landau und eben Speyer.
Mit den Ansiedlern kamen auch unsere Sprache, Sitten und Gebräuche in jene Gegenden. Den Bewohnern von Rohrbach in der Südpfalz wie denen von Rohrbach im Beresaner Gebiet sagt man nach, sie würden stets ein Messer im Sack mit sich tragen, was ihnen jeweils den Necknamen „Stecher“ eingebracht hat. Und dieses Image von Rohrbach muss demnach schon vor 1800, also vor der Koloniegründung (1808/1810), allgemein bekannt gewesen und dann  mit in die russische Steppe genommen und auf das neue Rohrbach übertragen worden sein.
In Pater Konrad Kellers „Revisionsliste der  Kolonie Speyer 1839-1840“, die 30 Jahre nach der Koloniegründung angefertigt wurde, taucht unser  Auswanderer aus Kuhardt als Familienvater wieder auf:
„Dominik Geiger 52 Jahre alt und hat mit Elisabeth,  geb. Schaf, 48 Jahre alt, aus Leimersheim. einen 13jährigen Sohn mit Namen Anton.“Rund 150 Jahre und mindestens vier Generationen später zerstreuten sich vor allem nach dem Zerfall der Sowjetunion die Nachkommen der Urkolonisten in alle Welt.  ln Amerika leben heute viele mit schwarzmeerdeutscher Herkunft in den Bundesstaaten Nord- und Süddakota.
ln die Bundesrepublik gelangten vor allem in den 1980er Jahren tausende sogenannter „Russlanddeutscher“ in das Stammland ihrer Vorväter,
hunderte davon auch wieder in die Pfalz, etwa nach Kandel, nach Germersheim oder gar in die Domstadt Speyer.


DER AUTOR:
Helmut Seebach ist Journalist, Autor und Verleger (Bachstelz-Verlag), 1954 geboren, stammt aus Queichhambach und wohnt in Mainz.
DAS BUCH:
– Helmut Seebach. Zur Geschichte der Südpfalz. Band 3. Nachtragsband, 42 Euro.
– Zu bestellen beim Bachstelz-Verlag, Waldstr. 6, D- 55124 Mainz, oder im Buchhandel.
http://www.bachstelz-verlag.de/
http://www.bachstelznest.de/


Soweit der  Auszug  und Bilder aus dem Buch von Helmut Seebach und  weiteren Abbildungen von Wikipedia. Falls Sie die allgemeine Geschichte der Südpfalz, der ursprünglichen Heimat der Leingangs,   näher interessiert, finden Sie weitere Informationen und Bilder in dem genannten Buch von Herrn Seebach, dem ich hier nochmals für seine  Abdruck- Genehmigung danke.


Frühe Rückkehrer aus Russland:
Enttäuschte Erwartungen:

Nicht alle Siedler, die dem Ruf nach Russland folgten, waren erfolgreich. Bald zeigte sich, dass die Erwartungen sehr hoch waren, aber die vorgefundenen Umstände im fernen Land auch große Probleme und Enttäuschungen mit sich brachten. So war es nicht verwunderlich, dass sich zwei der Auswanderer vorzeitig zur Rückkehr in ihre südpfälzische Heimat entschlossen und zur Warnung ihre Erlebnisse berichteten.

Helmut Sittinger aus Zweibrücken hat sich unter Anderem intensiv mit der Auswanderung von Leimersheimer Bürgern zwischen 1804 und 1809 beschäftigt und dazu Primärquellen ausgewertet.
So beschreibt er in einem Artikel der Rheinpfalz-Zeitung vom 21. 10. 2023, was zwei Rückkehrer aus dem Raum Odessa zu berichten hatten. Mit seiner freundlichen Erlaubnis und meinem aufrichtigen Dank an ihn habe ich weite Teile seines Rheinpfalz-Artikels hier angefügt:

Am 11. März 1810 erschien im „Intelligenzblatt“ der Unterpräfektur des Speyerer Bezirks der damals von Napoleon besetzten Pfalz ein Erfahrungsbericht „ Reise nach der Krimm“.
Zitat aus dem Artikel von Helmut Sittinger:
„Als Autoren werden Michael Höfer aus Hördt und Johann Georg Lösch aus Leimersheim genannt. Letzterer wanderte 29-jährig mit Frau und ihren ersten drei Kindern sowie dem ledigen Johann Philipp Marthaler Anfang Mai 1809 zusammen mit über 100 anderen Leimersheimern nach „Bessarabien“ aus.“ Damit war das Gebiet am Schwarzen Meer im Raum Odessa gemeint.
Nach drei Monaten Reisezeit erlebten die Siedler aus der Pfalz ähnliches, wie es auch bei Hermann Seebach berichtet wird.
Der folgende Text stammt komplett aus den Nachforschungen und dem Zeitungsartikel von Helmut Sittinger in der RHEINPFALZ :

So berichten die beiden Rückkehrer zur Warnung an andere Ausreisewillige:30
„ ….Wir trafen unsere Landsleute, die teils ein, teils mehrere Jahre schon dahin gezogen waren, in elenden, mit Rohr gedeckten Hütten und in Lumpen gehüllt an; und es bedurfte wenig Zeit, um uns vollkommen zu überzeugen, dass wir in unseren Erwartungen grausam getäuscht und betrogen waren. (…..)“ heißt es in dem Erfahrungsbericht.

Weiter: „ Was uns am stärksten auffiel (…) dass eben diejenigen, welche schon fünf oder sechs Jahre daselbst wohnten, elender und ärmer als die kürzlich Angekommenen sind: Ein Beweis, dass auch bei dem anhaltendsten Fleiß keiner imstande ist, sich aus der Dürftigkeit emporzuarbeiten.
Der Boden ist rau und eisenfest. Beim ersten Umbrechen des Landes müssen sechs Ochsen oder vier Pferde vor den Pflug gespannt werden, […..] das Feld trägt nichts als Sommerweizen, Hafer und Kartoffeln; Winterfrüchte kommen nicht fort, weil bei der heftigen Kälte alles erfriert. Sommergewächse als Hanf, Flachs, Welschkorn geraten ebenso wenig, weil der Sommer mit großer Hitze anfängt. und die ganze Zeit bis zum Herbst wenig oder gar kein Regen fällt. Nicht einmal Rüben kommen auf: sie verdorren kurze Zeit nachdem sie aufgegangen. Der Boden ist im Sommer so hart und trocken, dass er aufspringt, und das Stroh vom Hafer und Weizen wird kaum zwei
Schuh hoch“, berichten Höfer und Lösch.


lm Winter hatte man den Rückkehrern zufolge alle Mühe. „um sich vor dem Erfrieren zu schützen. In den elenden, von dünnen Balken mit Leinen ausgestampften und mit Schilf leicht bedeckten Hütten ist kein anderes Feuerungsmittel als gedorrter Kuhmist und Rohr, welches an den sumpfigen Ufern des Dnisters geschnitten wird und wovon die meisten Ortschaften 4 bis 8 Stunden entfernt sind. Dass auf 30 Meilen kein Holz wächst, ist bekannt. Alle Versuche des Gouverneurs von Odessa, Obstbäume zu pflanzen, sind stets vergeblich gewesen. Er ließ schon mehrmalen mit großen Kosten Obstbäume und vorzüglich Maulbeerbäume aus der Moldau kommen, sie wurden mit aller Sorgfalt gepflanzt, starben aber immer den ersten Sommer wieder ab.“

Ankommende Kolonisten erhalten von der russischen Regierung pro Familie 355 Rubel in Papiergeld, „wovon man den 6. Teil im Auswechseln verliert, und nach Verlauf von zehn Jahren muss das Ganze; ohne Zinsen; wieder zurückbezahlt werden“, so der Leimersheimer und Hördter. Von der Summe „werden von den Beamten 175 Rubel für die Wohnung, deren Einrichtung derselbe gewöhnlich besorgt, angerechnet. Fenster, Türen und Kamine muss sich der Kolonisten noch besonders anschaffen. Der Überrest reicht zum Ankauf des nötigen Viehes, Ackergerät und der Saatfrüchte kaum hin. Weiter werden auf jeden Kopf, jung oder alt, von dem Tage, wo sie in Odessa anlangen, bis zur nächsten Erntezeit täglich zehn Kopecken oder fünf Kreuzer bezahlt; dann
hört aber auch alle Unterstützung auf“.

ln dem Reisebericht heißt es weiter: „Der Kolonist mag das erste Jahr‘ eine gute oder schlechte Ernte haben; Krankheit; Viehseuche oder sonstige Übel mögen ihn treffen, er kann nichts mehr rechnen; und geht der Mann aus Elend oder Mangel zugrunde, so verlieren Frau und Kinder das Gut; es sei denn; dass sich ein anderer vorfindet, der die Witwe heiratet oder, dass ein erwachsener Sohn da ist, der die Wirtschaft antreten kann.
Ist das aber nicht, so vergibt der Beamte das Gut nach Gutdünken wem er will. Nicht einmal eine Entschädigung können die Hinterlassenen fordern, auch dann nicht, wenn sie erweisen können, dass die Eltern von ihrem mitgebrachten Vermögen Gebäude ausgeführt oder das Gut auf sonst eine Art verbessert haben; der Tod des Vaters benimmt Ihnen alle Ansprüche auf das Gut, das dazugehörige Vieh und Ackergerät.“

Ein ehemaliger österreichischer Unteroffizier, der den Titel eines Oberschultheißen führt; hat die Aufsicht über sämtliche Ortschaften und behandelt die Kolonisten streng:
„Kleine Verbrechen oder Vergehungen als Ungehorsam und dergleichen werden mit Peitschenhieben, wovon sogar schwangere Weiber nicht verschont sind; bestraft: größere Verbrechen, worunter auch das Hinweglaufen gehöret, mit fünftägiger Knute:
eine Strafe, die unter zehn kaum einer überlebt. Kommt er aber davon, so wird er noch auf zwei Jahre an den Karren geschmiedet. Zu entkommen ist beinahe unmöglich, indem die Kolonie viele starke Tagreisen von der Grenze entfernt ist, die überdies sehr scharf von Kosaken bewacht wird“. berichten die Rückkehrer. „Uns gelang es durch Vermittlung eines Straßburgers, der die Reise mit uns von hier bis Odessa gemacht, und bei der dortigen Kanzlei als Sekretär aufgestellt war [..:].“
Ob die beiden Rückkehrer Höfer und Lösch auf die Krim kamen, bleibt unklar. Diese Halbinsel wurde zur selben Zeit von den Russen besiedelt nachdem Katharina II, sie im russisch-türkischen Krieg eroberte.

Soweit die Ausführungen von Helmut Sittinger und vielen Dank für seine Abdruck-Genehmigung.
Die Auswanderung von Leimersheim und der Südpfalz und das Schicksal der Juden von Leimersheim gehören zu den Interessen-Schwerpunkten von Helmut Sittinger. Außerdem die Sozial- und Kriegsgeschichte mit Schwerpunkt 19. und 20. Jahrhundert und familiengeschichtliche Untersuchungen der Familien Sittinger, Ochsenreither und Schardt. Falls jemand an den weiteren Nachforschungen von Helmut Sittinger interessiert ist, so kann er über folgende e-mail Adresse Kontakt mit ihm aufnehmen: helmut.sittinger@web.de

zurück zur Startseite


Teilen mit:

  • Auf X teilen (Wird in neuem Fenster geöffnet) X
  • Auf Facebook teilen (Wird in neuem Fenster geöffnet) Facebook
Gefällt mir Wird geladen …

Aktuelle Beiträge

  • Grünes Rülzheim
  • Bunter Garten

Archiv

  • November 2016
  • März 2016

Neueste Kommentare

Bloggen auf WordPress.com.
  • Abonnieren Abonniert
    • Der Name Leingang
    • Du hast bereits ein WordPress.com-Konto? Melde dich jetzt an.
    • Der Name Leingang
    • Abonnieren Abonniert
    • Registrieren
    • Anmelden
    • Kurzlink kopieren
    • Melde diesen Inhalt
    • Beitrag im Reader lesen
    • Abonnements verwalten
    • Diese Leiste einklappen
 

Kommentare werden geladen …
 

    %d